Franziskus glaubt an einen den Menschen leidenschaftlich zugewandten Gott
Im Lateinischen existieren mehrere Begriffe für das deutsche Wort Liebe. Franziskus gebraucht hier amor und caritas. Amor ist der breiteste Begriff, der auch für die leidenschaftliche Liebe verwendet wird. Caritas hatte im Mittelalter schon die Bedeutung von – tätiger – Nächstenliebe. Franziskus braucht den ersten Begriff fast ausschließlich um die Liebe Gottes auszudrücken. Für die Liebe unter den Menschen benutzt er caritas oder das dritte Wort, das ihm zur Verfügung steht: diligere, das auch mit bevorzugen übersetzt werden könnte, da eine bewusste Entscheidung für die Person, der die Liebe gilt, in der Bedeutung enthalten ist.
Das Bild, das durch die Kombination der beiden Worte entsteht, ist das eines Gottes, der den Menschen liebt – nicht alle, sondern jeden – und dieser Liebe in Zugewandtheit zeigt. Im alten Testament, vor allem bei den Propheten aber auch in den Bildern des Buches Exodus, taucht dieses Gottesbild häufig auf. Franziskus bezieht es auf den Menschen und erklärt es in diesem Gebet zu einem Teil des Wesens Gottes.
al-Wadūd (الْوَدُود) – der Liebevolle
Der Gottesname al-Wadūd bezeichnet Gott als den Liebevollen, dessen Liebe sich insbesondere in seiner Barmherzigkeit und Vergebung offenbart. Im Koran erscheint dieser Name zweimal: In Sure 11:90 wird Gottes Liebe mit seiner Barmherzigkeit (ar-Raḥīm) und in Sure 85:14 mit seiner Vergebungsbereitschaft (al-Ġafūr) verbunden.
„Und bittet euren Herrn um Vergebung, dann kehrt reumütig zu ihm zurück. Gewiss, mein Herr ist barmherzig und liebevoll.“ (11:90)
„Und er ist der Allvergebende, der Liebevolle.“ (85:14)
Gottes Liebe eröffnet dem Menschen somit auch nach Verfehlungen die Möglichkeit zur Umkehr und zu einer erneuerten Gottesbeziehung. Zugleich fordert der Koran die Menschen auf, diese Liebe durch gutes und gerechtes Handeln zu erwidern (Sure 2:195; 5:42).