Bruder Sonne© Sr. M. Elisabeth Bäbler

Biblische Impulse

Die Sprache der Bibel ist von Bildern und Figuren geprägt, die eine Botschaft in sich tragen. Hier werden einige von ihnen vorgestellt. Die Seite wird laufend ergänzt, es lohnt sich, gelegentlich vorbeizuschauen.

Biblische Personen

Theologie und Anthropologie gehen in der Bibel immer zusammen, Gott ist immer der Gott von jemanden und wir erfahren ihn durch den Bericht von jemandem und damit auch gefärbt von dessen Art zu denken.

Die einzelnen Personen zeigen in den Evangelien eine mögliche Antworten auf die Offenbarung Jesu auf . Sie sind sowohl als individuelle Personen als auch als Typos des Glaubens konzipiert worden.

Die Erzählung der Begegnung Jesu mit Nikodemus beginnt im Grunde genommen schon bei Joh 2,23, mit der Information, „viele kommen zum Glauben“. Dies nachdem sie ein Zeichen gesehen haben.

Die Eigennamen von biblischen Figuren haben in allen Evangelien normalerweise eine tiefere Bedeutung: Nikodemus bedeutet jener der im Volk siegt.

Was wissen wir über Nikodemus?

Er gehört zur religiösen Elite, zu jenen die „wissen“, ein Führender Mann unter den Juden und damit Experte des Gesetzes. Er ist Mitglied des Hohen Rates, in dem die Mehrheit Saduzzäer sind, gehört dort also einer Minderheit an. Die Pharisäer glauben im Gegegnsatz zu den Sadduzäern an die Auferstehung. Der Vers 10 weist ihn als Schriftgelehrten aus.

Die große Menge an Duftölen, die er zum Begräbnis Jesu bringt deutet, auch wenn es sich um eine symbolische Zahl handelt auf einen reichen Mann hin.

Der Hinweis auf das Alter in Joh 3,4 kann sowohl ein Ehrentitel als auch ein Hinweis auf die Geschlossenheit der Denksysteme sein.

Nikodemus kommt bei Nacht, im Geheimen, ist verwundert über den Zulauf den Jesus hat, will genauer wissen, was es damit auf sich hat, will erfassen. Das Verb das hier gebraucht wird, wird in Johannes normalerweise für eine Anziehungskraft gebraucht, die durch Glauben verursacht wird. Er ist also irgendwie fasziniert, trotzdem bringt er die Fakten nicht zusammen. Er will es genauer wissen, frag nach, versucht aber gleichzeitig das was Jesus sagt rein rational auf der menschlichen Ebene anzugehen: wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er erwachsen ist?

Nikodemus kommt nachts im Schutz der Dunkelheit zu Jesus, weil er sich nicht outen will, er muss sich zuerst selber Klarheit verschaffen. Er ist bereit über eine Grenze zu gehen, aber nicht öffentlich. Johannes vermerkt es auch im Kapitel 12 in einem Seitenhieb.  : Viele kamen zum Glauben aber heimlich, denn Sie liebten die Ehre der Menschen mehr als die Ehre Gottes. (Joh 12,42-43) Die Nacht ist aber auch die Zeit in der man in aller Ruhe das Gesetz studieren kann ohne gestört zu werden.

Für den Evangelisten Johannes ist die Nacht auch ein Bild für Diffusität, für die (noch) Ferne vom Christusglauben. Nikodemus ist im Spannungsfeld von kommen und Nacht. Von Anziehung und nicht verstehen. Er fügt sich damit in die Gruppe jener ein, denen Jesus misstraut, da ihr Glaube oberflächlich ist. (Joh 2,24). Nikodemus hebt sich gleichzeitig von dieser Gruppe ab, denn er fragt nach. Er ist fasziniert und will mehr wissen. Staunen schließt den Menschen für das Transzendente auf.

Andreas der Apostel taucht in den Evangelien nur am Rande auf, meist in seiner Funktion als Bruder des Petrus. Einzig das Johannesevangelium gesteht ihm eine aktive Rolle zu. Auch dort taucht er nur an wenigen Stellen auf. Er steht mit einem anderen Jünger bei Johannes, als Jesus vorbeigeht.  Johannes sagt: Seht das Lamm Gottes.

Auf diese Aussage hin macht sich Andreas auf den Weg, er will Jesus tiefer kennenlernen: Meister, wo wohnst du? Wo jemand wohnt, wo er bleibt, wie die wörtliche Übersetzung lauten würde sagt viel über einen Menschen aus. Laut einer Studie, die an der Universität von Kalifornien in Los Angeles durchgeführt wurde weiß man mehr über eine Person, wenn man sich 10 Minuten in deren Raum aufgehalten hat als wenn man eine Stunde mit ihr spricht. Andreas scheint fasziniert von diesem Menschen den Johannes als Lamm Gottes bezeichnet und will ihn tiefer kennenlernen. Die BEgegnung scheint einschneidend gewesen zu sein, denn am Nächsten Tag sucht er seinen Bruder und macht ihn mit JEsus bekannt. Dann verschwindet er eine Weile von aus dem Geschehen.

Das nächste Mal treffen wir ihn, bei der Speisung der fünftausend. Er ist der, der den kleinen Jungen mit den fünf Broten und den zwei Fischen in den Kreis der ratlosen Apostel bringt und so die Grundlage für die Verköstigung der großen Menge organisiert.

Ein letztes Mal taucht er im Kapitel 12 des Johannesevangeliums auf. Ein paar Griechen treten an Philippus heran und wollen Jesus sehen. Philippus geht zu Andreas und beide gehen zusammen zu Jesus sprechen mit Ihm über das Anliegen der Griechen.

Alle drei Stellen beschreiben ein ähnliches Verhalten: nachdem er selber mit Jesus in Kontakt gekommen ist, bringt er andere mit ihm in Berührung. Ist die Begegnung einmal geschehen, zieht er sich zurück. Damit zeigt er sich als das, was Johannes „der Täufer den Freund des Bräutigams“ nennt: ist der andere in persönlichen Kontakt mit Christus gekommen mischt er sich nicht mehr ein. In der christlichen Tradition ist das letztlich die Aufgabe jedes Christen, in ganz besonderer Form aber einer geistlichen Begleitung.