Es gibt Geschichten in der Bibel, die uns mitten ins Herz treffen, weil sie so nah an unserem Leben sind. Die Erzählung von Elija am Bach Krit und bei der Witwe von Sarepta gehört für mich dazu. Es ist eine Geschichte von Dürre – äußerlicher und innerer. Und sie ist eine Geschichte davon, wie Gott mitten in der Trockenheit Wege der Versorgung öffnet, die wir uns selbst nie hätten ausdenken können.
Und die Geschichte ist nicht nur eine Geschichte, die wir lesen. Nein sie will eine Geschichte sein, die mit Ihrem / mit meinem Leben ganz konkret zu tun hat.
Ich möchte ein paar Punkte aufzählen/ benennen:
Die Dürre – außen und innen
Die Geschichte beginnt hart: Es regnet nicht mehr. Kein Tropfen. Wochenlang. Monatelang. Alles verdorrt. Die Menschen hungern. Die Tiere sterben. Die Quellen versiegen. Mir kommen da reale Bilder aus Afrika in den Kopf. Schlimmste Dürre und Trockenheit.
Was fällt Ihnen ein, wenn sie das Wort „Dürre“ hören? Sammeln sie mal für sich (20 Sekunden)
Dürre – das ist nicht nur ein Wetter-Problem. Es ist ein Bild für das, was jede/r von uns kennt:
– Zeiten, in denen die Kräfte austrocknen.
– Zeiten, in denen Beziehungen brüchig werden.
– Zeiten, in denen ich nicht wissen, wie es weitergehen soll.
– Zeiten, in denen ich das Gefühl habe: „Ich habe nichts mehr zu geben.“
Vielleicht kennen Sie solche Momente. Vielleicht stehen Sie gerade in einer solchen Dürre. Und vielleicht fragen Sie sich: Wo ist Gott in all dem?
Ich denke an einen Patienten im Krankenhaus, den ich vor 2 Wochen beim Abendgebet getroffen, wieder getroffen habe. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit als Seelsorgerin im Klinikum. Ich begrüßt ihn und sagte, wir kennen uns doch. ER sagte, ja ich bin seit heut wieder da. Es ging zu Hause nicht mehr. Meinen Ruhestand habe ich mir anders vorgestellt, Nicht immer wieder die Depression. Tiefe Dürre!
Gibt es darauf eine Antwort von Gott?
Ich sage ja: Gott ist da. Aber ganz anders, als wir es erwarten.
Der Bach Krit – Gott sorgt, aber nicht für immer gleich.
Gott schickt Elija an den Bach Krit. Ein kleiner, versteckter Ort. Kein großer Fluss, kein Wunderbrunnen. Ein Bach. Und Raben bringen ihm Brot und Fleisch.
Das ist fast lustig:
Gott benutzt ausgerechnet Raben – unzuverlässige, unrein geltende Tiere – um seinen Propheten zu versorgen. Gott ist kreativ. Gott ist frei. Gott ist nicht auf unsere Lösungen angewiesen.
Ich lade Sie ein, zu überlegen: Wo und wann haben sie unerwartet Unterstützung erhalten in schweren Zeiten? Hat jemand / etwas sie gesättigt? 20Sekunden
Mir fällt ein, als mein Mann schwer erkrankt war. Eine Umarmung und die Zusage, Du schaffst es.
Die Geschichte geht weiter. Unerwartet weiter
Der Bach trocknet aus. Plötzlicher Abbruch. Alles wieder anders
Und das ist ein entscheidender Moment. Denn wir denken oft:
Wenn Gott etwas schenkt, dann muss es bleiben.
Wenn Gott einen Weg öffnet, dann muss er dauerhaft sein.
Wenn Gott mich versorgt, dann bitte so, wie ich es kenne.
Der Fortgang der Geschichte macht deutlich:
Gottes Treue bleibt – aber seine Wege ändern sich.
Der Bach Krit ist ein Ort der Versorgung, aber kein Ort zum Bleiben.
Manchmal müssen wir weitergehen, obwohl wir gern geblieben wären.
Die Witwe von Sarepta – Gottes Versorgung kommt durch Menschen, die selbst kaum etwas haben
Gott schickt Elija weiter – ausgerechnet in ein fremdes Land, zu einer armen Witwe. Und die hat selbst fast nichts mehr. Sie sammelt ein paar Holzstücke, um aus dem letzten Mehl und dem letzten Öl ein letztes Brot zu backen – für sich und ihren Sohn. Danach, sagt sie, „wollen wir sterben“.
Das ist die tiefste Form der Dürre:Wenn die Hoffnung versiegt.
Wenn es scheinbar überhaupt nicht mehr weiter geht. Ich erinnre an den Mann aus dem KH. Mit seiner Depression. Er hat keinen Weg mehr gesehen.
Und genau dort hinein spricht Elija:
„Fürchte dich nicht.“
Das ist kein billiger Trost.
Es ist ein Ruf zum Vertrauen – mitten in der Leere.
Die Witwe teilt. Nicht aus Überfluss, sondern aus Mangel.
Und genau dort geschieht das Wunder:
Der Mehlkrug wird nicht leer.
Der Ölkrug versiegt nicht.
Nicht einmalig.
Nicht spektakulär.
Sondern jeden Tag neu.
Gott gibt nicht die Vorratskammer voll.
Gott gibt genug für heute.
Das ist vielleicht die größte Zumutung und zugleich die größte Verheißung dieses Textes: Gott verspricht uns nicht, dass wir morgen schon alles wissen.Aber er verspricht: Heute reicht es.
Der Mann ist ins KH gekommen, weil er hoffte: hier kann ich so sein, wie ich bin. Ich vertraue darauf, dass ich hier sicher bin.
Was bedeutet das für uns?
Erstens: Gott sieht unsere Dürre.
Auch wenn wir sie gut verstecken.
Auch wenn wir funktionieren.
Auch wenn wir selbst nicht mehr wissen, wie wir beten sollen.
Gott sieht, was uns fehlt.
Zweitens: Gottes Versorgung kommt manchmal von unerwarteter Seite.
Durch Menschen, die wir nicht auf dem Schirm hatten.
Durch kleine Gesten.
Durch Worte, die uns zufallen.
Durch Wege, die wir nicht geplant haben.
Manchmal sogar durch „Raben“ – durch das, was wir nie als heilig angesehen hätten.
Drittens: Teilen öffnet Türen.
Die Witwe teilt das Wenige, das sie hat – und erlebt Fülle.
Wo wir teilen, entsteht Raum für Gottes Wirken.
Viertens: Gottes Wunder sind oft unscheinbar.
Nicht laut.
Nicht spektakulär.
Sondern alltäglich:
Ein Krug, der nicht leer wird.
Ein Tag, der gelingt.
Ein Wort, das trägt.
Ein Mensch, der bleibt.
Zusammenfassend möchte ich sagen:
Wir leben in einer Welt, die viele Formen der Dürre kennt/ wir erleben viel Dürre in unserem Leben
- wirtschaftliche Unsicherheit
- Erschöpfung
- Einsamkeit
- Überforderung
- Zukunftsangst
- gesellschaftliche Spaltungen
Und wir fragen uns: Reicht das, was wir haben? Reicht unsere Kraft? Reicht unser Glaube?
Die Geschichte sagt:
„Ja – wenn wir uns Gott anvertrauen.“
Nicht weil wir stark sind, sondern weil Gott treu ist.
Gott verspricht nicht, dass der Bach nie austrocknet.
Aber er verspricht, dass er uns weiterführt.
Gott verspricht nicht, dass wir Vorräte für ein Jahr haben.
Aber er verspricht, dass der Krug für heute reicht.
Und manchmal ist das genau das Wunder, das wir brauchen.
Und hier komme ich zum Schluß:
Elija und die Witwe von Sarepta laden uns ein, neu zu vertrauen:
- dass Gott uns sieht
- dass Gott uns versorgt
- dass Gott Wege öffnet
- dass Gott uns durch Menschen begegnet
- dass Gott aus wenig viel machen kann
Vielleicht stehen Sie gerade an einem ausgetrockneten Bach.
Vielleicht fühlen Sie sich wie die Witwe mit dem letzten Rest Mehl.
Vielleicht fragen Sie sich, wie es weitergehen soll.
Dann lassen Sie sich von Gott zusagen/ durch Menschen:
„Fürchte dich nicht.“
Gott ist schon unterwegs zu dir.
Und er wird geben, was du brauchst – heute.
Am zweiten Freitag nach Pfingsten feiern wir in der katholischen Kirche das Herz-Jesu Fest. Einigen von uns ist es wohl eher fremd, und doch ist es Ausdruck einer tiefen Wahrheit des christlichen Glaubens.
Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht