© Sr. M. Elisabeth Bäbler

Texte

Eine Fundgrube an geistlichen Texten verschiedener Autoren die laufend ergänzt wird...

Einige Gedanken zum Herz-Jesu Fest

 Herz JesuAm zweiten Freitag nach Pfingsten feiern wir in der katholischen Kirche das Herz-Jesu Fest. Einigen von uns ist es wohl eher fremd, und doch ist es Ausdruck einer tiefen Wahrheit des christlichen Glaubens.

Um es besser zu verstehen muss man es, so glaube ich, in den geschichtlichen Zusammenhang stellen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in der Zeit, in der Margerita Maria Alacoque, auf die das Feste zurückgeht, lebte, war geprägt von der geistlichen Strömung des Jansenismus, von der gesagt wird sie habe „habe nie gelernt zu lächeln“. Der Jansenismus zeichnete sich durch vor allem durch moralische Strenge und einen fast unerreichbaren Reinheitsanspruch in der Sakramentenlehre aus. So reichte die Reue für die Absolution nicht, man verlangte die vollkommene Reue. Die Kommunion wurde als Preis für wenige moralisch einwandfrei lebende Menschen gesehen. Ein weiterer Aspekt des Jansenismus war ein religiös verbrämter Elitarismus: einige wenige sind von Gott dazu bestimmt, genügend Gnade zu erhalten, um dieses moralisch einwandfreie Leben zu leben, die andern nicht. Eine kalte Spiritualität.

Dem setzt die Spiritualität der Herz- Jesu Verehrung ein Gegenpol: zentral ist die Liebe, die flammend – leidenschaftliche Liebe Gottes für den Menschen. Margerita Maria Alacoque sieht Jesus mit flammenden Wunden und mit einem Herzen, das für die Menschen brennt. Kernpunkt ist die Beziehung, die durch die Liebe, die Gott für uns Menschen hat geprägt ist. Es wird an jenen Gott erinnert, der 99 Schafe zurücklässt um eines zu suchen, von dem gesagt wird, er esse mit Zöllnern und Sündern – in einer Zeit in der Mahlgemeinschaft Ausdruck einer sehr viel engeren Beziehung war als heute…

Und heute? Wenn man das Fest von seiner Grundaussage her betrachtet hat es in meinen Augen gerade heute eine große Aktualität: in einer Zeit, in der Selbstoptimierung in vielen Lebenslagen zu einem moralischen Imperativ geworden ist erinnerte es uns daran, dass im geistlichen Leben Beziehung vor Perfektion kommt und wir uns die Liebe Gottes nicht erarbeiten müssen.

Auch wenn die klassische bildliche Darstellung nicht meinem Kunstgeschmack entspricht, die Aussage – Jesus bietet mir sein Herz an – berührt mich immer wieder.

Gedanken zum Mai

ein Text von Dakanatsreferentin Daniela Ballhaus

Der Mai ist da. Und mit ihm die besondere Zeit der Verehrung Mariens. So viele Menschen wenden sich vertrauensvoll an Maria, weil ihr nichts Menschliches fremd ist, weil sie unsere gesamte Gefühlspalette durchlebt und durchlitten hat.

Im wahrsten Sinne des Wortes himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt war sie, wenn wir uns auf der einen Seite die Geburt und auf der anderen Seite den Tod ihres Sohnes Jesu vorstellen.

Überrascht und doch mutig war sie vorher beim Besuch des Engels Gabriels, der die junge Frau mit dieser über-menschlichen Idee Gottes konfrontierte, als Mensch durch sie zu Welt zu kommen. Maria hatte sich ihr Leben vermutlich anders vorgestellt – bei durchkreuzten Plänen und beim Annehmen dieser ist sie uns deshalb vielleicht besonders nah…

In der Begleitung des erwachsen werdenden Jesus war sie in allumfassender Weise mütterlich: sorgend, aber auch mahnend, als er weggelaufen war, im guten Sinne besser-wissend, als sie ihren Sohn auf den Missstand beim Hochzeitsfest hinwies und den mürrisch antwortenden Jesus sanft, aber fest ins Handeln bringt zum Wohle der Festgesellschaft.

Es war sicher nicht immer eitel Sonnenschein, die Mutter des Herrn zu sein, aber sie hat ihre Spuren hinterlassen in seinem Handeln. Sie hat an ihn geglaubt, sich mit ihm gefreut, mit ihm gelitten, um ihn getrauert und sich wie wir heute mitreißen lassen von seinem Sieg über den Tod. Sie war ihm so nah in allem, dass wir ihr heute noch zutrauen, dass sie ihm auch unsere so unterschiedlichen Gefühlsregungen ganz nahe bringen kann.

Im Magnificat  singt Maria ihrem Gott, der sein Volk seit Generationen nicht verlässt und ihm immer wieder sein Erbarmen zeigt. All das ist Grund zur Freude, Grund zum Loben. Darum singt Maria. Und sie singt in Erwartung all dessen, das da noch kommen soll. Ihr Lied  ist Rückschau und Ausblick zugleich. So wie Gott bereits gehandelt hat, so wird er weiterhin handeln, zukünftig in diesem ihr verheißenen Kind.

Möge der Mai uns mit Maria ein Monat der Hoffnung sein, ein Monat des Vertrauens auf Gottes Treue und seine Nähe in Jesus Christus.

 

Zu meinem fast legst du G:tt dein geschafft

Einmal
sag ich
da hätte ich fast
mein schönstes Kleid angezogen
und dir meine Tür geöffnet
und mein Brot mit dir geteilt

Einmal
sagst du
da habe ich
alles gegeben
habe gelebt und geliebt
bis zum letzten Hemd
auch für dich.

Dass du weißt
du fällst nicht
du fliegst
du vergehst nicht
du lebst

und dass du mir glaubst
wenn alles ohne Ausweg scheint
und so lang es dunkel bleibt
werd ich an deiner Seite sein.
Solang du mich brauchst
und so viel weiter darüber hinaus
geb ich dich nicht auf.

Ich will dir glauben G:tt
und öffne dir meine Tür
es ist mein Weg hinaus
aus dem Schutt von gestern
unter meinen Füßen
aus lauter ich muss erst
und ich sollte noch
aus dem ich will immer besser sein
und schaff es doch nicht

Heute, jetzt will ich dir glauben G:tt
dass mein Kleid dir reicht
denn weißt du?
es ist nicht nur schön
es ist auch aus leid.

Heut öffne ich dir
meine Herzenstür
hinterm Zentimeter Licht
geht die Sonne auf
und meine Fingerspitzen streifen
sachte ihre ersten Morgenglanz.

Ich will es glauben G:tt
zu meinem fast
legst du dein geschafft
und teilst mit mir dein Brot.

Andrea Kuhle @segens_sachen
gefunden bei @brot.und.liebe, einem ökumenischen Zoomgottesdienst

Theologische Tugenen

Die drei grundlegenden Tugenden des Christentums
sind eigentlich die dreifaltige Form der Offenheit:
die Hoffnung ist die Offenheit gegenüber der Zukunft,
der Glaube die Offenheit gegenüber dem Geheimnis Gottes
und die Liebe die Offenheit gegenüber dem Geheimnis des Menschen und Gottes zugleich.

Aus: Tomáš Halík, Die Zeit der leeren Kirchen

Von der Harmonie der Gegensätze

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht
Wer im Dunkeln geht, erkennt den Wert des Lichtes. Und umgekehrt? Stellen wir uns nur vor, es gäbe keine Nacht mehr. Dunkel und Licht, Tag und Nacht sind Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen.

Wir leben von diesen Gegensätzen und Rhythmen, in unserem äußeren wie in unserem inneren Leben. Martin Schleske spricht in seinem Buch „Der Klang“ von der Harmonie der Gegensätze. Er bezieht sich darauf, dass ein Instrument nur dann einen wirklich schönen Klang erzeugt, wenn beide dieser Gegensätze zusammenklingen Er wendet diese Erkenntnis auch auf den Menschen an und braucht dafür sechs Wortpaare:

Gnade/Geschenk und Arbeit

Ohnmacht und Vollmacht

Zulassen und Gestalten

Hören und Tun

Du bist und du sollst

Wahrheit und Güte

Vollkommenheit und Vorläufigkeit

Alle diese Haltungen sind in sich kostbar und doch bedingen sich alle diese Wortpaare gegenseitig auf dynamische Weise und müssen immer wieder neu austariert werden. Wenn wir uns zu sehr in eine der Richtungen bewegen, stürzen sie ab und werden destruktiv. Ziel ist hier nicht der goldene Mittelweg – das wäre, wie wenn wir Beuger und Strecker unseres Armes auf den goldenen Mittelweg bringen möchten – sondern das Zusammenspiel der Gegensätze, das nie starr sein kann.

 

In Stresssituationen neigen wir dazu, uns auf eine Seite dieses Paares zurückzuziehen und darin stecken zu bleiben. Dann sitzen wir innerlich im Dunkeln.

Jede*r von uns hat ein eigenes Set an Wortpaaren, an Haltungen und Werten, die wichtig sind. Was sind deine Wortpaare? Wie weit bin ich gerade auf dem Weg von einem zum anderen? In welche Richtung bin ich
gerade unterwegs?