Texte

Eine Fundgrube an geistlichen Texten verschiedener Autoren die laufend ergänzt wird...

„Versorgt in Zeiten der Dürre“ - Fastenpredigt von Constanze Dette-Habscheid

Es gibt Geschichten in der Bibel, die uns mitten ins Herz treffen, weil sie so nah an unserem Leben sind. Die Erzählung von Elija am Bach Krit und bei der Witwe von Sarepta gehört für mich dazu. Es ist eine Geschichte von Dürre – äußerlicher und innerer. Und sie ist eine Geschichte davon, wie Gott mitten in der Trockenheit Wege der Versorgung öffnet, die wir uns selbst nie hätten ausdenken können.

Und die Geschichte ist nicht nur eine Geschichte, die wir lesen. Nein sie will eine Geschichte sein, die mit Ihrem / mit meinem  Leben ganz konkret zu tun hat.

Ich möchte ein paar Punkte aufzählen/ benennen:

Die Dürre – außen und innen

Die Geschichte beginnt hart: Es regnet nicht mehr. Kein Tropfen. Wochenlang. Monatelang. Alles verdorrt. Die Menschen hungern. Die Tiere sterben. Die Quellen versiegen. Mir kommen da reale Bilder aus Afrika in den Kopf. Schlimmste Dürre und Trockenheit.

Was fällt Ihnen ein, wenn sie das Wort „Dürre“ hören? Sammeln sie mal für sich (20 Sekunden)

Dürre – das ist nicht nur ein Wetter-Problem. Es ist ein Bild für das, was jede/r von uns kennt:

– Zeiten, in denen die Kräfte austrocknen.

– Zeiten, in denen Beziehungen brüchig werden.

– Zeiten, in denen ich nicht wissen, wie es weitergehen soll.

– Zeiten, in denen ich das Gefühl habe: „Ich habe nichts mehr zu geben.“

 

Vielleicht kennen Sie solche Momente. Vielleicht stehen Sie gerade in einer solchen Dürre. Und vielleicht fragen Sie sich: Wo ist Gott in all dem?

Ich denke an einen Patienten im Krankenhaus, den ich vor 2 Wochen beim Abendgebet getroffen, wieder getroffen habe. Ich kenne ihn noch aus meiner Zeit als Seelsorgerin im Klinikum. Ich begrüßt ihn und sagte, wir kennen uns doch. ER sagte, ja ich bin seit heut wieder da. Es ging zu Hause nicht mehr. Meinen Ruhestand habe ich mir anders vorgestellt, Nicht immer wieder die Depression. Tiefe Dürre!

Gibt es darauf eine Antwort von Gott?

Ich sage ja: Gott ist da. Aber ganz anders, als wir es erwarten.

Der Bach Krit – Gott sorgt, aber nicht für immer gleich.

Gott schickt Elija an den Bach Krit. Ein kleiner, versteckter Ort. Kein großer Fluss, kein Wunderbrunnen. Ein Bach. Und Raben bringen ihm Brot und Fleisch.

Das ist fast lustig:

Gott benutzt ausgerechnet Raben – unzuverlässige, unrein geltende Tiere – um seinen Propheten zu versorgen. Gott ist kreativ. Gott ist frei. Gott ist nicht auf unsere Lösungen angewiesen.

Ich lade Sie ein, zu überlegen: Wo und wann haben sie unerwartet Unterstützung erhalten in schweren Zeiten? Hat jemand / etwas sie gesättigt? 20Sekunden

Mir fällt ein, als mein Mann schwer erkrankt war. Eine Umarmung und die Zusage, Du schaffst es.

 

Die Geschichte geht weiter. Unerwartet weiter

Der Bach trocknet aus. Plötzlicher Abbruch. Alles wieder anders

Und das ist ein entscheidender Moment. Denn wir denken oft:

Wenn Gott etwas schenkt, dann muss es bleiben.

Wenn Gott einen Weg öffnet, dann muss er dauerhaft sein.

Wenn Gott mich versorgt, dann bitte so, wie ich es kenne.

Der Fortgang der Geschichte macht deutlich:

Gottes Treue bleibt – aber seine Wege ändern sich.

Der Bach Krit ist ein Ort der Versorgung, aber kein Ort zum Bleiben.

Manchmal müssen wir weitergehen, obwohl wir gern geblieben wären.

Die Witwe von Sarepta – Gottes Versorgung kommt durch Menschen, die selbst kaum etwas haben

Gott schickt Elija weiter – ausgerechnet in ein fremdes Land, zu einer armen Witwe. Und die hat selbst fast nichts mehr. Sie sammelt ein paar Holzstücke, um aus dem letzten Mehl und dem letzten Öl ein letztes Brot zu backen – für sich und ihren Sohn. Danach, sagt sie, „wollen wir sterben“.

Das ist die tiefste Form der Dürre:Wenn die Hoffnung versiegt.

Wenn es scheinbar überhaupt nicht mehr weiter geht. Ich erinnre an den Mann aus dem KH. Mit seiner Depression. Er hat keinen Weg mehr gesehen.

Und genau dort hinein spricht Elija:
„Fürchte dich nicht.“
Das ist kein billiger Trost.
Es ist ein Ruf zum Vertrauen – mitten in der Leere.

Die Witwe teilt. Nicht aus Überfluss, sondern aus Mangel.
Und genau dort geschieht das Wunder:
Der Mehlkrug wird nicht leer.
Der Ölkrug versiegt nicht.
Nicht einmalig.
Nicht spektakulär.
Sondern jeden Tag neu.

Gott gibt nicht die Vorratskammer voll.
Gott gibt genug für heute.

 

Das ist vielleicht die größte Zumutung und zugleich die größte Verheißung dieses Textes: Gott verspricht uns nicht, dass wir morgen schon alles wissen.Aber er verspricht: Heute reicht es.
Der Mann ist ins KH gekommen, weil er hoffte: hier kann ich so sein, wie ich bin. Ich vertraue darauf, dass ich hier sicher bin.

Was bedeutet das für uns?

Erstens: Gott sieht unsere Dürre.
Auch wenn wir sie gut verstecken.
Auch wenn wir funktionieren.
Auch wenn wir selbst nicht mehr wissen, wie wir beten sollen.

Gott sieht, was uns fehlt.

Zweitens: Gottes Versorgung kommt manchmal von unerwarteter Seite.
Durch Menschen, die wir nicht auf dem Schirm hatten.
Durch kleine Gesten.
Durch Worte, die uns zufallen.
Durch Wege, die wir nicht geplant haben.

Manchmal sogar durch „Raben“ – durch das, was wir nie als heilig angesehen hätten.

 

Drittens: Teilen öffnet Türen.
Die Witwe teilt das Wenige, das sie hat – und erlebt Fülle.
Wo wir teilen, entsteht Raum für Gottes Wirken.
Viertens: Gottes Wunder sind oft unscheinbar.

Nicht laut.
Nicht spektakulär.
Sondern alltäglich:
Ein Krug, der nicht leer wird.
Ein Tag, der gelingt.
Ein Wort, das trägt.
Ein Mensch, der bleibt.

 

Zusammenfassend möchte ich sagen:

Wir leben in einer Welt, die viele Formen der Dürre kennt/ wir erleben viel Dürre in unserem Leben

  • wirtschaftliche Unsicherheit
  • Erschöpfung
  • Einsamkeit
  • Überforderung
  • Zukunftsangst
  • gesellschaftliche Spaltungen

 

Und wir fragen uns: Reicht das, was wir haben? Reicht unsere Kraft? Reicht unser Glaube?

Die Geschichte sagt:

„Ja – wenn wir uns Gott anvertrauen.“
Nicht weil wir stark sind, sondern weil Gott treu ist.

Gott verspricht nicht, dass der Bach nie austrocknet.
Aber er verspricht, dass er uns weiterführt.

Gott verspricht nicht, dass wir Vorräte für ein Jahr haben.
Aber er verspricht, dass der Krug für heute reicht.

Und manchmal ist das genau das Wunder, das wir brauchen.

Und hier komme ich zum Schluß:

Elija und die Witwe von Sarepta laden uns ein, neu zu vertrauen:

  • dass Gott uns sieht
  • dass Gott uns versorgt
  • dass Gott Wege öffnet
  • dass Gott uns durch Menschen begegnet
  • dass Gott aus wenig viel machen kann

 

Vielleicht stehen Sie gerade an einem ausgetrockneten Bach.
Vielleicht fühlen Sie sich wie die Witwe mit dem letzten Rest Mehl.
Vielleicht fragen Sie sich, wie es weitergehen soll.

Dann lassen Sie sich von Gott zusagen/ durch Menschen:
„Fürchte dich nicht.“
Gott ist schon unterwegs zu dir.
Und er wird geben, was du brauchst – heute.

 

 

 

Wo das Feuer schon brennt - Fastenpredigt von Pia Biehl

Im Dunkel der Nacht beginnt das heutige Evangelium.Zum einen von der Tageszeit her, zum anderen von derSituation der Jünger her gesehen.Was haben sie für herausfordernde Zeiten hinter sich.Sie hatten sich Jesus angeschlossen, hier an diesem See. Siehatten auf sein Wort hin alles stehen und liegen gelassen und sind ihm gefolgt.Spannende und aufregende Zeiten waren das, unterwegs mit ihm. Sie haben viel erlebt, vieles vielleicht auch (noch) nichtverstanden, was Jesus ihnen sagen wollte.

Dann vor Kurzem diese Woche, in der sich alles überschlug.Erst der triumphale Einzug in Jerusalem, dann das letzte Abendmahl, bei dem Jesus Brot und Wein mit ihnen teilt; der Abend am Ölberg, wo sie von Müdigkeit übermannt eingeschlafen sind. Jesus wurde verhaftet, verurteilt und gekreuzigt. Ihn, auf den sie alle ihre Hoffnung gesetzt hatten, war tot. Sie waren gelähmt, erfüllt von tiefer Trauer und dann kommen nach drei Tagen die Frauen und erzählen, er sei auferstanden. Wer soll das denn verstehen? Dann erscheint er ihnen und noch anderen Jüngern, die auf dem Weg nach Emmaus waren.

Ich kann mir vorstellen, dass viele Gefühle die Jünger um Petrus bewegten: Leere nach dem Tod des Freundes, Hoffnungslosigkeit, fehlende Perspektive.Jesus ist da, aber doch nicht so, wie sie das kannten. Er wollte sie zu Menschenfischern machen, hatte ihnen Aufgaben übertragen, aber die sind für den Moment zu groß.  Dunkelheit umgibt sie.

Petrus zeigt sich pragmatisch: „Ich gehe fischen!“ Das kann er, das hat er von klein auf gelernt, da fühlt er sich sicher. Hier, zuhause, am See, wo alles begann. Und so langsam muss man ja auch mal was tun, wenn man nicht verrückt werden will. Vielleicht auch den Lebensunterhalt verdienen. Sie fahren also hinaus – und erleben Scheitern. Kein Fang. Ihre Bemühungen laufen ins Leere. Für mich ist die Gefühlslage der Jünger gut nachvollziehbar. Es gibt Situationen, da möchte ich mich einigeln, da bin ich gefangen im Dunkel meiner Trauer, meiner Ausweglosigkeit, meines Versagens, meiner Gedanken. Jeder kennt Momente, in denen die Grenzen eng gesteckt sind, der Antrieb, die Kraft fehlt, über den Tellerrand hinauszuschauen.

Da kann es ein erster Schritt sein, Motivation, den Anstoß zu finden, etwas zu tun. Mich wieder in Bewegung zu bringen, einen ersten Schritt zu machen, meinen Horizont zu öffnen, Weite zuzulassen.

Und wenn es mir dann so geht, wie den Jüngern? Wenn ich scheitere, mitten in meinem Alltag, meinen Bemühungen? Wenn mein Glaube so klein ist in dem Moment, wenn ich frage: Gott, bist du überhaupt da? Hast du mich vergessen? Wenn Frust und Enttäuschung mein Denken bestimmen?

Die Jünger kommen zurück ans Ufer, sie haben nichts gefangen. Aber am Ufer steht an diesem Morgen, am Beginn eines neuen Tages ein Fremder. „Meine Kinder, habt ihr keinen Fisch?“

Ich habe überlegt, wie ich in diesem Moment auf die Frage reagiert hätte. Hey, wir haben die ganze Nacht geschuftet, nichts gefangen und jetzt streut noch jemand Salz in die Wunde? Da habe ich mich angestrengt, alles gegeben, keinen Erfolg gehabt und dann steht irgendwer am Ufer und fragt: „Na, hat es nicht geklappt?“ Vermutlich hätte ich diesem Menschen meine ganze Ohnmacht, meinen Frust und meine Enttäuschung und Hilflosigkeit entgegen geschleudert: Willst du mir jetzt meinen Job erklären?

Johannes schreibt nichts über die Reaktion der Jünger auf die Frage nach ihrem Misserfolg. Ob Petrus vielleicht impulsiv reagiert hat und nur unter Gemecker wieder losgefahren ist. Er berichtet, dass Jesus mehr für sie hat als diese Frage: Einen Rat, eine Aufforderung. „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas finden!“ Mit Sicherheit waren sie verwundert, aber sie vertrauen ihm, probieren es auf sein Wort hin noch einmal. Am hellen Tag, entgegen allen Fischer- Regeln. Werft das Netz auf der rechten – richtigen Seite aus. Dieses Vertrauen zahlt sich aus: Ein Fang, so reichlich, dass sie das Netz nicht wieder einholen können. Da fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: Es ist der Herr!

Er zeigt ihnen in diesem Moment: Denkt dran, was ich euch gelehrt habe, was ihr mit mir erlebt habt. Denkt an mein Wort und handelt danach, weitet euren Horizont. Dann klappt es mit dem Fischen – mit dem Menschenfischen, dem Begeistern der Menschen für mein Wort und meine Botschaft.

Das Vertrauen auf Jesu Wort bringt etwas in den Jüngern in Bewegung. Es bringt sie zu ihrer Stärke zurück – es öffnet ihnen die Augen: Es ist der Herr! Petrus, so berichtet Johannes, gürtet sich daraufhin das Obergewand um und springt in den See. Es ist für ihn nicht nur ein Gefühl, es ist die Gewissheit: Der Herr, Jesus selbst ist da und vor ihm verhülle ich mich.

Dieses Vertrauen der Jünger macht mir Mut, in scheinbar ausweglosen Situationen auf andere zu hören, einen Rat anzunehmen, es noch einmal zu versuchen. Es zeigt mir: Jesus begegnet mir mitten im Alltag, unerkannt, ohne langes erklären. In einem Menschen, der mich aufbaut, mich ermutigt, das zu tun, was ich kann und neue Wege zu finden.

Gemeinsam zogen die Jünger das Netz zum Ufer und dort brannte schon das Feuer. Jesus war schon da. Er wartete auf sie, hatte das Mahl schon vorbereitet. Er lädt sie ein, von ihrem Fang zum Mahl beizutragen. „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt!“ Bringt von dem mit, was ihr habt, was ihr könnt, bringt euch ein, bringt euren Fang. Mir kam der Gedanke, dass Jesus die Jünger, aber letztlich auch uns auffordert, uns selbst und unsere Talente, unser Handeln mit einzubringen. Nicht nur an den Tisch zu kommen und zu konsumieren. Er will uns beteiligen, mit allem, was wir mitbringen, ermutigen uns einzubringen, andere für Ihn und sein Wort zu begeistern. Petrus ist es, der ins Wasser steigt und das Netz an Land bringt. 153 Fische große Fische waren es. Der Zahl 153 kann keine eindeutige Bedeutung zugemessen werden. Sie kann eine Zahl für die zu bekehrenden Missionen der damaligen Zeit sein, kann aber auch für die 153 damals bekannten Fischarten stehen. Jesus ist schon da, das Feuer brannte schon, ein Mahl ist bereitet. Ich stelle mir vor, dass es für die Jünger wie ein Nachhausekommen war. Ein Moment der Fülle und der stillen Freude. Sie haben einen Weg aus ihrer Verzweiflung und Lethargie gefunden, der lähmenden Trauer und ihrerOhnmacht. Trotz des Scheiterns bringen sie den Mut auf, dem Wort des Fremden zu vertrauen, sich ihrer Stärken zu besinnen und es noch einmal zu probieren.

Sie haben Erfolg! Der Fang ist groß und wird ihnen Mut geben, weiterzumachen. Sie werden erfolgreich sein als Menschenfischer und der Hinweis darauf, dass das Netz nicht riss, obwohl es so viele waren, mag ein Hinweis darauf sein, wie groß die Gemeinschaft werden würde.

Ich persönlich finde es spannend, dass Petrus derjenige ist, der an den Schlüsselstellen agiert: Er bringt Bewegung in die Runde: „Ich gehe fischen“ und zieht die anderen mit. Er zeigt mit seinem Gürten: Ich habe dich erkannt: Du bist der Herr! Petrus ist es, der das Netz an Land holt. Dieser Petrus, der kurz vorher an einem Feuer Jesus drei Mal verleugnet hat, erlebt an diesem Feuer die Umkehr seines Scheiterns.

Im Dunkel seiner Nacht hat Jesus das Feuer in ihm entzündet, das nie mehr verloschen ist. Dieses Bild gibt mir Vertrauen und Hoffnung, dass es bei aller Ängstlichkeit und allem verlorenen Zutrauen einen Weg gibt, wenn ich versuche „auf sein Wort hin“ und mit seinem Wort zu leben.

Da brannte schon das Feuer und Jesus sagte zu ihnen: „Kommt und esst!“ Und keiner wagte zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten das es der Herr war. Er nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Jesus ist da, erteilt mit ihnen das Brot. Ich bin mit diesem Brot in eurer Mitte. Dieses gemeinsame Mahl am Feuer besiegelt diese Gewissheit. Die Jünger spüren es, wissen es: Es ist der Herr. Da braucht es keine Nachfrage.

In diesem Moment mag ihnen viel klar geworden sein: Jesus lebt, sein Wort hat sich erfüllt. Ihre ganze Sehnsucht hat sich erfüllt, die Trauer weicht der Freude. Alle Betroffenheit und Irritation, alle Ausweglosigkeit wendet sich nach dieser Nacht und an diesem Feuer. Jesus zeigt den Jüngern und zeigt uns: Ich werde für euch sorgen. Ich bin schon da, wenn ihr noch am Weg sucht. Ich bin mit euch unterwegs. Ich biete euch mein Wort an, zeige euch den Weg und ich lade euch ein zum Mahl. Ich bin schon da, das Feuer brennt schon, an dem ihr Euch wärmen, das Brot teilen, das Leben teilen und Gemeinschaft leben könnt.

Wenn das Feuer schon brennt, dann weiß ich, dass jemand da ist, mich erwartet. Dann stillt das meine Sehnsucht, schenkt es mir Geborgenheit, und Heimat. Wenn Sein Feuer in mir brennt, schenkt es mir eine Ahnung vom Leben in Fülle.

Taufe

Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes
gieße ich warme Worte über dich.
Heilsam benetzen sie deine Seele,
sodass dich nicht Trauer, Wut und Angst quäle,
sondern du Liebe, Freude und Zuversicht wählst
und  nicht mehr kleingeistig leidvolle Momente zählst.

Großherzig sprudelt die Lebensquelle in dir!
Und dein Licht fließt dir voraus.
Tritt über das Ufer deiner Selbst hinaus.
Und findet begegnungsvolle Nähe in mir!

 Moira Molitor, 33 Jahre alt aus Münster

Entstanden im Bibelworkshop Lectio Divina

 

Der Ursprung der Krippenfeiern

In Greccio etwa 100 km nördlich von Rom steht ein kleines Kloster etwas unterhalb des Städtchens, in dem die Besucher die Grotte besichtigen können, in der die erste Krippenfeier, organisier von Franz von Assisi, stattgefunden haben soll. Was die wenigsten Besucher ahnen ist, dass diese Feier aus einer zweifachen Not heraus entstanden ist.

1223, als Franziskus in Greccio Weihnachten feierte, stand dieses Klösterchen noch nicht. Die Gegend war bewaldet und gab Bauern und ihren Tieren Nahrung und Schutz. Mitten im Winter die Tiere alleine zurück zu lassen, wäre aber unmöglich gewesen. So hatten die Bewohner keine Möglichkeit, in den Weihnachtsgottesdienst zu gehen und das Ereignis zu feiern, das für Franziskus so zentral war: Weihnachten, an dem Gott Mensch wird und sozusagen in unsere Haut schlüpft. Also beschloss er, den Gottesdienst zu den Menschen zu bringen. Laut der Erzählung von Tomas von Celano wurde der Gottesdienst an einem improvisierten Ort gestaltet. Die Leute brachten ihre Tiere mit: Schafe, Ochsen und Esel. In der Erzählung ist nicht einmal die Rede von einem Stall oder einer Grotte – dem Stall der italienischen Version der Weihnachtsgeschichte. „Männer und

Frauen jener Gegend bereiteten, so gut sie konnten, freudigen Herzens Kerzen und Fackeln, um damit jene Nacht zu erleuchten, die mit funkelnden Sternen alle Tage und Jahre erhellt hat. Nun wird eine Krippe zurechtgemacht, Heu herbeigebracht, Ochs und Esel herzu geführt. Der Wald erschallt von den Stimmen, und die Felsen hallen wider von dem Jubel. Der Ort, wo Weihnachten gefeiert wird, ist gleichsam egal. Jubel und fröhliche Stimmen ertönen überall, Kerzen und Fackeln machen die finsterste Ecke hell.

Nicht ganz ein Monat vor dieser Feier war die Regel der Franziskaner, eine Art Verfassung, die die Grundsätze des Zusammenlebens und der Beziehungen zur Umwelt regeln, beglaubigt worden. Damit war die Zukunft der Bewegung die mit Franziskus begonnen hatte gesichert. Trotzdem fühlte er sich fremd im eigenen Orden, war sich nicht sicher, ob er nicht doch alles falsch gemacht hatte. Auch aus diesem Grund wollte er sich die Botschaft dieses wichtigen Festes sozusagen „anfassbar“ vor Augen führen.

„Ich möchte nämlich das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen.

Gott ist für Franziskus keine ferne Gestalt, die wir mit gutem Benehmen milde stimmen müssten, er ist Mensch geworden, „in unsere Haut geschlüpft“ und als Mensch ist ihm nichts von dem, was wir als Dunkelheit und Not erleben, fremd.

Ein paar Überlegungen zum Fest Allerheiligen

Als ich etwa 14 Jahre alt war, gingen wir als Familie mit einer Schulfreundin meiner Mutter wandern. Ewa auf halber Höhe des Aufstiegs meinte diese, sie wolle schnell in der Kapelle die dort auf der Alp stand nach den Blumen sehen. Wir folgten Ihr in das Kirchlein, in dem im Altarraum ein großes Kruzifix hing. Bis heute erinnere ich mich sehr genau daran, auf welche Weise die Freundin meiner Mutter dort die Kniebeuge machte. Es war, als grüßte sie einen alten Bekannten, mit dem Sie sehr vertraut war und ich dachte: „so eine Beziehung möchte ich auch einmal haben“. Damit hat sie mir mehr über die Möglichkeit einer gelungenen Gottesbeziehung beigebracht, als ich das in vielen Büchern hätte erlesen können. Das Allerheiligenfest – davon bin ich überzeugt – gilt auch ihr. Denn es erinnert uns an das, was das zweite Vatikanisches Konzil im Schreiben über die Kirche als „allgemeine Berufung zur Heiligkeit“ beschreibt. Was ist damit gemeint? Ich glaube, die Freundin meiner Mutter bringt das wunderbar zum Ausdruck. Sie war ein durchaus streitbares Mitglied der Kirche, die auch offen zum Ausdruck brachte, wenn sie mit gewissen Lehrmeinungen nicht einverstanden war. Dies vor allem dann, wenn sie das Gefühl hatte, das diese einen Menschen an der vollen Ausschöpfung seines Potenzials hinderten. Gleichzeitig trat sie leidenschaftlich für das Wohl jedes Menschen ein und hätte ihr letztes Hemd für ihre Schüler gegeben. Für mich, und nicht nur für mich wurde sie zu einem positiven Gesicht für Kirche, zu einem Beispiel gelebter Gottesbeziehung das mich faszinierte und mich anregte in meiner eigenen Spiritualität zu wachsen. Übersetzt man die Entlassungsformel wörtlich als dem lateinischen bedeutet sie: geht, ihr seid gesendet.  In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir uns dieser Sendung immer wieder bewusst sind: der Kirche in meiner Umgebung mein ganz unverwechselbares Gesicht zu geben. Ein Gesicht, das ihr niemand anders geben kann, und das daher unersetzlich ist.

Einige Gedanken zum Rosenkranzgebet

Der Oktober ist der Rosenkranzmonat. Grundgebete der Christenheit werden im Rosenkranzgebet aneinandergereiht: „Vater unser“ – „Gegrüßet seist du Maria!“ – „Ehre sei dem Vater…“ Es ist ein betrachtendes Gebet. Man denkt nicht an die gesprochenen Worte, sondern an das Ereignis, das da betrachtet wird: Stellen Sie sich vor, Sie wären dabei gewesen bei der Geburt Jesu…bei der Kreuzigung…bei der Herabkunft des Heiligen Geistes…und überlegen, was dieses Erlebnis mit Ihnen gemacht hätte und was das mit Ihrem Leben zu tun hat. Zum Beispiel: …den du (gemeint ist Maria) zu Elisabeth getragen hast. Wer wartet darauf, dass ich ihm Christus bringe?

Oder: …den du (gemeint ist wieder Maria, die den 12-jährigen Jesus gesucht hat) im Tempel wiedergefunden hast. Wo kann ich Jesus wiederfinden, wenn ich ihn verloren habe? Im Wald? In der Disco? Beim Jogging? Wahrscheinlich im Tempel (in der Kirche). – Vermisse ich IHN überhaupt?

Oder: …der von den Toten auferstanden ist. Was in mir ist tot und muss unbedingt wieder lebendig werden?  Wo ist Totes in meiner Umgebung, das ich wieder zum Leben bringen möchte?

Oder: …der in den Himmel aufgefahren ist. Nur ER ist der Herr der Welt, nicht irgendein kleiner Gernegroß. ER hält die „Fäden“ in Seiner Hand, auch wo ich den Überblick verliere.

Oder: …der uns den Heiligen Geist gesandt hat. Wo bin ich geistlos und erlebe Geistlosigkeit und brauche unbedingt diesen Heiligen Geist? Die Perlen des Rosenkranzes (5×1+10) in meiner Hand helfen mir dabei, dass meine Betrachtung einen angemessenen zeitlichen Rahmen bekommt und dass meine Gedanken nicht zu weit abschweifen.

Das Rosenkranzgebet gehört nicht notwendig zum Leben eines Christen. Aber viele Menschen haben in diesem Gebet Kraft und Trost gefunden. Gottes Willen erkennen und das Leben Jesu mit den Augen seiner Mutter anschauen, das bringe uns Segen „jetzt und in der Stunde unseres Todes“.

R. Pietzonka

Einige Gedanken zum Herz-Jesu Fest

 Herz JesuAm zweiten Freitag nach Pfingsten feiern wir in der katholischen Kirche das Herz-Jesu Fest. Einigen von uns ist es wohl eher fremd, und doch ist es Ausdruck einer tiefen Wahrheit des christlichen Glaubens.

Um es besser zu verstehen muss man es, so glaube ich, in den geschichtlichen Zusammenhang stellen. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts, in der Zeit, in der Margerita Maria Alacoque, auf die das Feste zurückgeht, lebte, war geprägt von der geistlichen Strömung des Jansenismus, von der gesagt wird sie habe „habe nie gelernt zu lächeln“. Der Jansenismus zeichnete sich durch vor allem durch moralische Strenge und einen fast unerreichbaren Reinheitsanspruch in der Sakramentenlehre aus. So reichte die Reue für die Absolution nicht, man verlangte die vollkommene Reue. Die Kommunion wurde als Preis für wenige moralisch einwandfrei lebende Menschen gesehen. Ein weiterer Aspekt des Jansenismus war ein religiös verbrämter Elitarismus: einige wenige sind von Gott dazu bestimmt, genügend Gnade zu erhalten, um dieses moralisch einwandfreie Leben zu leben, die andern nicht. Eine kalte Spiritualität.

Dem setzt die Spiritualität der Herz- Jesu Verehrung ein Gegenpol: zentral ist die Liebe, die flammend – leidenschaftliche Liebe Gottes für den Menschen. Margerita Maria Alacoque sieht Jesus mit flammenden Wunden und mit einem Herzen, das für die Menschen brennt. Kernpunkt ist die Beziehung, die durch die Liebe, die Gott für uns Menschen hat geprägt ist. Es wird an jenen Gott erinnert, der 99 Schafe zurücklässt um eines zu suchen, von dem gesagt wird, er esse mit Zöllnern und Sündern – in einer Zeit in der Mahlgemeinschaft Ausdruck einer sehr viel engeren Beziehung war als heute…

Und heute? Wenn man das Fest von seiner Grundaussage her betrachtet hat es in meinen Augen gerade heute eine große Aktualität: in einer Zeit, in der Selbstoptimierung in vielen Lebenslagen zu einem moralischen Imperativ geworden ist erinnerte es uns daran, dass im geistlichen Leben Beziehung vor Perfektion kommt und wir uns die Liebe Gottes nicht erarbeiten müssen.

Auch wenn die klassische bildliche Darstellung nicht meinem Kunstgeschmack entspricht, die Aussage – Jesus bietet mir sein Herz an – berührt mich immer wieder.

Gedanken zum Mai

ein Text von Dakanatsreferentin Daniela Ballhaus

Der Mai ist da. Und mit ihm die besondere Zeit der Verehrung Mariens. So viele Menschen wenden sich vertrauensvoll an Maria, weil ihr nichts Menschliches fremd ist, weil sie unsere gesamte Gefühlspalette durchlebt und durchlitten hat.

Im wahrsten Sinne des Wortes himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt war sie, wenn wir uns auf der einen Seite die Geburt und auf der anderen Seite den Tod ihres Sohnes Jesu vorstellen.

Überrascht und doch mutig war sie vorher beim Besuch des Engels Gabriels, der die junge Frau mit dieser über-menschlichen Idee Gottes konfrontierte, als Mensch durch sie zu Welt zu kommen. Maria hatte sich ihr Leben vermutlich anders vorgestellt – bei durchkreuzten Plänen und beim Annehmen dieser ist sie uns deshalb vielleicht besonders nah…

In der Begleitung des erwachsen werdenden Jesus war sie in allumfassender Weise mütterlich: sorgend, aber auch mahnend, als er weggelaufen war, im guten Sinne besser-wissend, als sie ihren Sohn auf den Missstand beim Hochzeitsfest hinwies und den mürrisch antwortenden Jesus sanft, aber fest ins Handeln bringt zum Wohle der Festgesellschaft.

Es war sicher nicht immer eitel Sonnenschein, die Mutter des Herrn zu sein, aber sie hat ihre Spuren hinterlassen in seinem Handeln. Sie hat an ihn geglaubt, sich mit ihm gefreut, mit ihm gelitten, um ihn getrauert und sich wie wir heute mitreißen lassen von seinem Sieg über den Tod. Sie war ihm so nah in allem, dass wir ihr heute noch zutrauen, dass sie ihm auch unsere so unterschiedlichen Gefühlsregungen ganz nahe bringen kann.

Im Magnificat  singt Maria ihrem Gott, der sein Volk seit Generationen nicht verlässt und ihm immer wieder sein Erbarmen zeigt. All das ist Grund zur Freude, Grund zum Loben. Darum singt Maria. Und sie singt in Erwartung all dessen, das da noch kommen soll. Ihr Lied  ist Rückschau und Ausblick zugleich. So wie Gott bereits gehandelt hat, so wird er weiterhin handeln, zukünftig in diesem ihr verheißenen Kind.

Möge der Mai uns mit Maria ein Monat der Hoffnung sein, ein Monat des Vertrauens auf Gottes Treue und seine Nähe in Jesus Christus.

 

Zu meinem fast legst du G:tt dein geschafft

Einmal
sag ich
da hätte ich fast
mein schönstes Kleid angezogen
und dir meine Tür geöffnet
und mein Brot mit dir geteilt

Einmal
sagst du
da habe ich
alles gegeben
habe gelebt und geliebt
bis zum letzten Hemd
auch für dich.

Dass du weißt
du fällst nicht
du fliegst
du vergehst nicht
du lebst

und dass du mir glaubst
wenn alles ohne Ausweg scheint
und so lang es dunkel bleibt
werd ich an deiner Seite sein.
Solang du mich brauchst
und so viel weiter darüber hinaus
geb ich dich nicht auf.

Ich will dir glauben G:tt
und öffne dir meine Tür
es ist mein Weg hinaus
aus dem Schutt von gestern
unter meinen Füßen
aus lauter ich muss erst
und ich sollte noch
aus dem ich will immer besser sein
und schaff es doch nicht

Heute, jetzt will ich dir glauben G:tt
dass mein Kleid dir reicht
denn weißt du?
es ist nicht nur schön
es ist auch aus leid.

Heut öffne ich dir
meine Herzenstür
hinterm Zentimeter Licht
geht die Sonne auf
und meine Fingerspitzen streifen
sachte ihre ersten Morgenglanz.

Ich will es glauben G:tt
zu meinem fast
legst du dein geschafft
und teilst mit mir dein Brot.

Andrea Kuhle @segens_sachen
gefunden bei @brot.und.liebe, einem ökumenischen Zoomgottesdienst

Theologische Tugenen

Die drei grundlegenden Tugenden des Christentums
sind eigentlich die dreifaltige Form der Offenheit:
die Hoffnung ist die Offenheit gegenüber der Zukunft,
der Glaube die Offenheit gegenüber dem Geheimnis Gottes
und die Liebe die Offenheit gegenüber dem Geheimnis des Menschen und Gottes zugleich.

Aus: Tomáš Halík, Die Zeit der leeren Kirchen

Von der Harmonie der Gegensätze

Das Volk, das in der Finsternis ging, sah ein helles Licht
Wer im Dunkeln geht, erkennt den Wert des Lichtes. Und umgekehrt? Stellen wir uns nur vor, es gäbe keine Nacht mehr. Dunkel und Licht, Tag und Nacht sind Gegensätze, die sich gegenseitig bedingen.

Wir leben von diesen Gegensätzen und Rhythmen, in unserem äußeren wie in unserem inneren Leben. Martin Schleske spricht in seinem Buch „Der Klang“ von der Harmonie der Gegensätze. Er bezieht sich darauf, dass ein Instrument nur dann einen wirklich schönen Klang erzeugt, wenn beide dieser Gegensätze zusammenklingen Er wendet diese Erkenntnis auch auf den Menschen an und braucht dafür sechs Wortpaare:

Gnade/Geschenk und Arbeit

Ohnmacht und Vollmacht

Zulassen und Gestalten

Hören und Tun

Du bist und du sollst

Wahrheit und Güte

Vollkommenheit und Vorläufigkeit

Alle diese Haltungen sind in sich kostbar und doch bedingen sich alle diese Wortpaare gegenseitig auf dynamische Weise und müssen immer wieder neu austariert werden. Wenn wir uns zu sehr in eine der Richtungen bewegen, stürzen sie ab und werden destruktiv. Ziel ist hier nicht der goldene Mittelweg – das wäre, wie wenn wir Beuger und Strecker unseres Armes auf den goldenen Mittelweg bringen möchten – sondern das Zusammenspiel der Gegensätze, das nie starr sein kann.

 

In Stresssituationen neigen wir dazu, uns auf eine Seite dieses Paares zurückzuziehen und darin stecken zu bleiben. Dann sitzen wir innerlich im Dunkeln.

Jede*r von uns hat ein eigenes Set an Wortpaaren, an Haltungen und Werten, die wichtig sind. Was sind deine Wortpaare? Wie weit bin ich gerade auf dem Weg von einem zum anderen? In welche Richtung bin ich
gerade unterwegs?